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Vom Dorfladen bis zum Shopping-Center

Teilnehmer und Partner des dena-Modellvorhabens „Energieeffizient Handeln“ diskutierten am 3. April über vielfältige Ansätze der Gebäudesanierung im Handel.

Rund 30 Teilnehmer und Partner des Modellvorhabens "Energieeffizient Handeln" waren zum ersten Workshop nach Berlin gereist (Foto: dena)

Das dena-Modellvorhaben „Energieeffizient Handeln“ ist Anfang des Jahres gestartet.  Rund 30 Teilnehmer und Partner des Projekts trafen sich am 3. April zum ersten Mal zu einem gemeinsamen Workshop in Berlin. Vertreten waren große Handelsketten wie Edeka, REWE, ALDI SÜD, netto Marken-Discount und toom, Verwalter von Gewerbeimmobilien wie JLL Retail Asset Management und Berlinovo, Modefachhändler wie die Rudolf Wöhrl AG, die Hermann Hagemeyer GmbH aus Minden und die Fashion Company aus Warendorf sowie der Fachmarkt für Pferdesport Tom Büttner aus Dresden und der Dorfladen Otersen aus Niedersachsen.

Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, begrüßte die Teilnehmer des Workshops (Foto: dena)

Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, betonte zu Beginn die Bedeutung der Energieeffizienz von Handelsimmobilien für die Energiewende. Etwa 80 Prozent der vom Handel genutzten Gebäude in Deutschland seien 40 Jahre alt oder älter. „Gemeinsam mit den Teilnehmern des Modellvorhabens wollen wir zeigen, wie sich Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit bei der energetischen Gebäudemodernisierung am besten vereinbaren lassen“, sagte er. Für das Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) begrüßte Ina Hippe aus dem zuständigen Referat II C 3 die Anwesenden. Das Ministerium fördert das Modellvorhaben.

dena-Projektleiter Andreas Tiemann erläuterte die Ziele des Modellvorhabens (Foto: dena)

Wirtschaftliche Sanierung im Handel

Eine Fachjury hatte 19 Handelsimmobilien in neun Bundesländern für das dena-Modellvorhaben ausgewählt. Andreas Tiemann, dena-Projektleiter im Bereich Energieeffiziente Gebäude, stellte bei dem Workshop die Ziele des Modellvorhabens vor. Im Sektor Gewerbe-Handel-Dienstleistungen hätten die Gebäude des Handels nach den Büros die zweithöchsten Energieverbräuche. Zwar seien viele größere Unternehmen beim Thema Energieeffizienz schon sehr aktiv, in der Breite spiele die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden aber noch eine zu geringe Rolle.

Ziel des Modellvorhabens sei es, Best-Practice-Beispiele der energetischen Sanierung zu schaffen und diese in den beteiligten Branchen bekannt zu machen, erläuterte Tiemann. Zentral sei dabei die Wirtschaftlichkeit der Sanierungsansätze, damit die Lösungen auch praxistauglich und in der Breite umsetzbar seien. Außerdem sollen die Erfahrungen genutzt werden, um die Rahmenbedingungen für die energetische Gebäudesanierung im Handel künftig  verbessern zu können, zum Beispiel im Bereich der Förderung.  

Angeregte Diskussion: Oliver Veigl (CEV Handelsimmobilien/ Edeka, links), Tim Schellenberger (netto Marken-Discount, rechts) (Foto: dena)

Unterschiedliche Herangehensweisen

In der Vorstellungsrunde der Teilnehmer wurde die Vielfalt der vertretenen Unternehmen und Immobilien deutlich, vom bürgerschaftlich organisierten Dorfladen bis zum Einkaufszentrum mit über 18.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, vom Familienbetrieb bis zur bundesweiten Handelskette mit mehreren tausend Filialen. Dem entsprechend unterschiedlich sind auch die Herangehensweisen an das Thema energetische Sanierung. Während etwa große Handelsketten fast immer über eigene, spezialisierte Abteilungen für Energiemanagement verfügen, sind kleinere Unternehmen stärker auf gute externe Beratung angewiesen.

Wie sich in der Diskussion zeigte,  stellt für Händler mit gemieteten Verkaufsflächen oft die Abstimmung mit dem jeweiligen Eigentümer des Gebäudes eine Hürde dar. Die Einwilligung des Vermieters ist für viele Baumaßnahmen am Gebäude Voraussetzung. Immobilieneigentümer wiederum haben im Gewerbebereich weniger Möglichkeiten, ihre Investitionen in eine bessere Energieeffizienz über die Miete zu refinanzieren. Mögliche Lösungsansätze für das Vermieter-Mieter-Dilemma sollen im weiteren Verlauf des Modellvorhabens diskutiert werden.  

Teilnehmer und Partner stellten sich vor (v. l. n. r.): Andreas Billig (REWE), Manfred Rössling (REWE), Simone Sauerwein (EHI Retail Institute), Sylwia Marszalek (Hottgenroth Software) (Foto: dena)

Motivation für Sanierung ist auch Verbesserung des Komforts

Ein wichtiges Argument für eine energetische Gebäudesanierung ist im Handel neben der Verringerung der Energiekosten oder dem Klimaschutz der verbesserte Komfort in den Verkaufsräumen, wie einige Teilnehmer betonten. Dies mache sich etwa durch ein gesteigertes Wohlbefinden der Kunden oder durch einen geringeren Krankenstand der Mitarbeiter bemerkbar. Unterschiedlich bewertet wurden die Möglichkeiten, das Thema Energieeffizienz in die Kundenkommunikation zu integrieren. Auch hierzu sollen im weiteren Verlauf des Modellvorhabens neue Ansätze diskutiert werden.  

Die Partner und Unterstützer des Modellvorhabens präsentierten sich ebenfalls beim Workshop. Zu ihnen gehören der Handelsverband Deutschland (HDE), das EHI Retail Institute, der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA), der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) sowie Hottgenroth Software, die Hörburger AG und die krumedia GmbH.

Weitere Workshops geplant

Beim nächsten Workshop im September soll das Thema Energieberatung im Vordergrund stehen. Insgesamt sind im Rahmen des Modellvorhabens zwei Workshops pro Jahr geplant, um den Erfahrungsaustausch und die Netzwerkbildung im Handel und der Immobilienbranche zu fördern.